Freitag, 13. November 2009

Die Sache mit den Handschuhen

Vor ein paar Tagen hat Frauchen bei unserem Spaziergang einen Handschuh verloren. Sie hatte Kastanien in der Jackentasche, die warf sie und ich spurtete hinterher. Du weißt schon.
In die Jackentasche hatte sie auch ihren Handschuh gesteckt. Er ist rausgerutscht, als sie nach Kastanien angelte und wir haben ihn verloren.

Keine große Sache, denkst Du. Stimmt ja auch. Aber nicht, wenn die Handschuhe so schön muckelig warm sind und einfach nur den Händen gut tun. Frauchen und ich mögen Dinge, die uns gut tun. Frauchen tut mir gut und ich tu Frauchen gut. Das nur mal nebenbei.

Also ein Handschuh war weg und mit einem kommt man ja nicht weit. Dann bleibt eine Hand kalt. Und wir sind ja nicht in der Oper La Boheme, wo Rudolfo kommt und singt: "Oh wie eiskalt ist dein Händchen". In der Oper stirbt die Dame ja. Um Himmels Willen!! Wie schrecklich.
Also, dafür müssen wir schon sorgen, dass Frauchens Hände warm bleiben.
Zum Glück war es auch in den letzten Tagen nicht so kalt und wir kamen ohne Handschuhe für Frauchen aus.
Ist ja nicht so, als ob Frauchen nur dieses eine Paar hätte. Sie hat zum Beispiel ein Paar aus Wien. Wien ist ihre Lieblingsstadt.
Also einmal, da wollten Herrchen und Frauchen Wien im Frühling erleben. Und so reisten sie nach Wien. Aber Wien war in dem Frühling eiskalt. Es schneite sogar noch und eisiger Wind fegte über den Stephansplatz. Frauchen hatte eiskalte Hände. Gruselig war das, hat sie mir erzählt. Also strebte Frauchen in den Laden von Röckel, direkt am Graben gelegen. Da hat sie sich so witzige Handschuhe gekauft. Eigentlich sind das zwei für jede Hand: ein Handschuh hat ganz lange Stulpen, damit ja nur keine Kälte ans Handgelenk kommt. An diesem Handschuh hat jeder Finger eine andere Farbe. Ich glaube, damit man weiß, wohinein welcher Finger gehört. Über diesen Handschuh wird noch ein zweiter gezogen, einfarbig. Und an diesem sind die Finger kurz und offen, wie abgeschnitten. Man zieht ihn über den ersten Handschuh und die bunten Finger schauen heraus. Das sieht witzig aus. Das ist natürlich schön warm.
Diese Handschuhe liebt Frauchen. Diese Handschuhe hütet Frauchen wie einen Augapfel. Fast so wie mich und vor allen Dingen behütete sie die vor mir. Ich darf sie nicht rumschleppen. Diese Handschuhe sind aus Wien, das sagt ja schon alles. Wien - wie war das noch? Irgendwas hat Wien mit Sehnsucht zu tun. Mit Frauchens Sehnsucht. Ich muss sie noch mal fragen. Doch nicht etwa wegen Sissi? Oder den tanzenden Pferden der spanischen Hofreitschule? Es hat doch wohl auch nichts mit Klimt und Schiele, den Malerfürsten. zu tun. Oder gar mit den Kaffeehäusern, in denen Altenberg und Schnitzler verkehrten? Doch…. Irgendetwas hat es mit den Kaffeehäusern zu tun und mit Literaten. Oder mit einem Literaten? Oder war das gar keiner? Ich glaub, das war keiner. Das war ein Phantom! Aber es gibt ihn - das glaube ich sicher.

Heute, als wir diesen Weg wieder gingen, da haben wir Ausschau nach dem Handschuh gehalten. Überall haben wir geschaut: an tiefhängenden Zweigen der Bäume, an Büschen und am Wegesrand. Und fast, als wir am Auto ankamen, da hing der Handschuh fein säuberlich an einem Busch. Er war noch fast sauber!
Wir haben uns gefreut und danken dem ehrlichen Finder oder der ehrlichen Finderin.
Das war supernett, den Handschuh aufzuhängen!

Sagt ehrlich: das hätten wir doch auch getan - ihn sichtbar aufgehängt!

PS: Nachher machen wir noch ein Foto von dem Handschuh. Mal schauen

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